Geschichte des Topolino Club Zürich (1970-2020)

Text aus der goldenen Festschrift 2010-2020, verfasst vom Gründungsmitglied Koni Häusler

Wie alles begann

Am 8. September 1970 trafen sich rund 30 Topolinobesitzer zu einer Versammlung im Restaurant Morgensonne beim Zoo in Zürich. Bei diesem Treffen handelte es sich nicht nur um einen zwangslosen Austausch von Meinungen, es ging schon recht professionell zu und her. Neben der Diskussion über den Sinn und Zweck der Gründung eines Topolino Clubs wurden bereits schon provisorische Statuten entworfen und ein provisorischer dreiköpfiger Vorstand gewählt. Sogar ein Protokoll wurde über diese Versammlung verfasst. Im Nachhinein kann dieser 8. September 1970 als die Geburtsstunde des Topolino Club Zürich bezeichnet werden.

Aber die Geschichte begann eigentlich schon früher. Einige Topolinobesitzer fanden sich zu einer Besprechung zusammen – heute würde man das als Interessengemeinschaft bezeichnen – mit der Idee, einen Topolino Club zu gründen. Die Aufgabe dieser IG bestand darin, die oben genannte Versammlung vom 8. September 1970 zu organisieren und natürlich auch möglichst viele Topolinobesitzer ausfindig zu machen. Zu dieser Zeit war der Topolino auf unseren Strassen noch im Regelverkehr, wenn auch nicht sehr häufig. Es wurden die Auto-Nummern der gesichteten Topolinos aufgeschrieben und deren Besitzer ausfindig gemacht. Diese hat man dann angeschrieben und zur Versammlung vom 8. September 1970 eingeladen.

Bereits am 4. Dezember 1970 bot der Vorstand die Mitglieder des neu gegründeten Clubs zu einem Chlaushöck in einer Waldhütte in Kloten auf. Selbst von diesem Anlass besteht ein Protokoll. Nebst der Wahl von zwei weiteren Vorstandsmitgliedern wurde auch ein Werksmechaniker bestimmt. Ferner beschloss man, dass die Anrede unter den Mitgliedern in der du-Form zu erfolgen habe. Auch das erste Ehrenmitglied hat man an diesem Anlass erkoren. Damit der Club ein gewisses Startkapital hat, bestimmte man gleich noch die Höhe des Jahresbeitrages. Eigentlich war das die erste Generalversammlung.

Kaum war das Jahr 1970 abgeschlossen, wurden die Mitglieder zu einer ausserordentlichen Generalversammlung auf den 12. Januar 1971 eingeladen, die wie-derum im Restaurant Morgensonne stattfand. Das wichtigste Traktandum war die Absegnung der bereinigten Statuten. Auch Daten von ersten Anlässen wurden bekanntgegeben. In der Goldenen Festschrift 1970–1980 wurde diese erste Phase in unserem Clubleben folgendermassen beschrieben: «Ganz im Stil des späteren Topolino Clubs wurde schon damals viel gequatscht und wenig beschlossen». So schlecht waren aber diese ersten Versammlungen gar nicht, denn fünfzig Jahre später darf festgestellt werden, dass sehr viele der seinerzeit beschlossenen Grundsätze heute noch immer tragende Elemente in unseren gültigen Statuten sind.

In relativ kurzer Zeit wurden absolut brauchbare Statuten erarbeitet. Natürlich wurden die Träume vom clubeigenen Ersatzteillager, von der Clubwerkstatt, dem Clubmechaniker und dem Clubausweis mit Foto später aus den Statuten gestrichen oder gar nicht aufgenommen.

In den Anfangsjahren war die Fluktuation im Mitgliederbestand gross. Der Club bestand ja weitgehend aus jungen Leuten aus der Region Zürich. Sie waren teilweise in der Ausbildung, noch ledig und wohnten vielfach bei den Eltern. Nach der Ausbildung, einem Stellenwechsel oder Heirat wechselten sie oft den Wohnort und die Bindung an den Grossraum Zürich ging dadurch verloren. Auch änderten sich bei vielen die Interessen, die junge Familie mit Kindern stand im Vordergrund.
In dieser Zeit verlor der Topolino auch die Bedeutung als tägliches Transportmittel. Fahrten in der Freizeit und möglichst nur bei schönem Wetter waren fortan seine Aufgabe.

Die Autos kamen nun aber auch in ein Alter, wo teilweise aufwändige Reparaturen nötig wurden. Besonders Rost, der sich – begünstigt durch das Salz auf den winterlichen Strassen – bis in die hinterste Ritze frass, machte vielen Besitzern zu schaffen. Oft stand man vor der Entscheidung, abbrechen oder erhalten. Glücklicherweise entschieden sich viele Besitzer für das Erhalten. Damit hatte das Auto eine Schwelle überschritten, die ihm das Tor zum Oldtimerstatus öffnete und ihm ein langes Leben sichert.

Der Topolino Club Zürich war natürlich nicht die einzige Organisation, die sich um den Erhalt des legendären Autos bemühte. In der Schweiz, wie auch in ganz Europa, wurden Clubs gegründet. Erste Kontakte wurden von Club zu Club geknüpft, die Federazione gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, sie wurde erst im Jahr 2006 ins Leben gerufen.


1980 wurde zum ersten Mal zu einem internationalen Treffen nach Bologna eingeladen, wobei dem Topolino Club Zürich die Ehre zufiel, das Treffen international zu machen. Wir waren nämlich die einzigen Teilnehmer, die nicht aus Italien stammten.

In den nachfolgenden Jahren fand jährlich ein Internationales Treffen statt, manchmal waren es auch mehrere im selben Jahr. 1983 war der Topolino Club Zürich erstmals Gastgeber eines solchen Grossanlasses. In den Jahren 1995, 2005 und 2015 fanden weitere durch den Zürcher Club organisierte internationale Treffen statt.

FIAT, unser «Mutterhaus» zeigte sich in diesen Jahren gegenüber seinen «Bambinis», respektive dessen Besitzer, äusserst grosszügig. 1973, bei unserem ersten Besuch bei Fiat in Turin, wohnten wir in einem FIAT-eigenen Hotel. Wir wurden während Tagen fürstlich bewirtet und zur Werksbesichtigung mit einem Car abgeholt, der uns auch gerade noch durch die Werkhallen fuhr, wir genossen Ausflüge auf die Hügel von Turin und das alles kostenlos. Das war offensichtlich noch in einer Zeit, wo Vergangenes geehrt wurde und sich der Fabrikant, allen voran Dante Giacosa, darüber auch wirklich freute.

Ab 1986 haben dann italienische Clubs in Turin die Dekaden des Topolinos gefeiert und zu Internationalen Treffen bei FIAT eingeladen. Es waren Feiern in einem würdigen Rahmen, zu dem auch FIAT ihr Scherflein beigetragen haben mag. Legendär waren natürlich immer die Fahrten mit unseren Topis auf der Test-strecke, bei denen man wirklich das Gefühl hatte, unsere Autos sind nach Hause zurückgekehrt. Manch einer wird sich bei diesen Erlebnissen eine kleine Träne aus dem Auge gewischt haben.

Unser Clubleben bestand damals natürlich nicht nur aus dem Besuch von Inter-nationalen Topolino-Treffen. Auf unseren Ausfahrten durchquerten wir praktisch alle Landesteile der Schweiz. Aber auch das nähere Ausland, sogar England, waren Reiseziele, dann meist im Rahmen von einwöchigen Fahrten.

Unser Clubleben bestand damals natürlich nicht nur aus dem Besuch von Internationalen Topolino-Treffen. Auf unseren Ausfahrten durchquerten wir praktisch alle Landesteile der Schweiz. Aber auch das nähere Ausland, sogar England, waren Reiseziele, dann meist im Rahmen von einwöchigen Fahrten.

Feste Bestandteile in unserem Jahresprogramm sind in den letzten Jahrzehnten der Winteranlass (der jeweils ohne Topis stattfindet), die Topi-Luftete, die Fahrt ins Blaue, die grosse Reise, manchmal verbunden mit einem internationalen Treffen, das Herbstweekend und die Herbstfahrt. Seit Anbeginn werden die 10-jährigen Geburtstage unseres Clubs mit einer Clubinternen einwöchigen Reise gefeiert. Auch der einmal im Monat stattfindende Stamm, ein Anlass zum Gedankenaustausch und Fachsimpeln, gehört seit langem zum Jahresprogramm.

Ein weiteres wichtiges Element in unserem Jahresprogramm ist die Generalversammlung. An dieser wird über das Geschehen in unserem Club bestimmt. In den Anfangsjahren waren diese Versammlungen meistens abendfüllende Anlässe. Mit grossem Engagement und Enthusiasmus wurden Anträge zuhanden der Generalversammlung eingebracht. Gegner und Befürworter lieferten sich langatmige Diskussionen. Meistens obsiegte die Vernunft und es wurde zum Wohle des Clubs entschieden.

Feierlichkeiten im FIAT Mirafiori-Werk 1986 in Turin zum 50. Geburtstag des Topolinos Der Topi-Club Zürich war mit dabei

In der Clubchronik darf natürlich die Ersatzteilbeschaffung für unsere Topolinos nicht fehlen. Bei der Gründung des Topolino Clubs wurde das Auto schon seit 16 Jahren nicht mehr gebaut, bei den FIAT-Vertretungen war die Ersatzteillagerhaltung praktisch bei null. Lediglich bei zwei Händlern in Zürich waren noch Bestände vorhanden. Jedoch konnten auch diese nicht jedes gewünschte Ersatzteiljederzeit liefern. Wer bei anfallenden Reparaturen selber Hand anlegen wollte, war gezwungen, sich ein eigenes Ersatzteillager aufzubauen, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, dass das Auto mitunter monatelang fahruntüchtig war. Daher wurde auf Clubreisen, vor allem in Italien, fleissig nach FIAT-Reklameschildern mit dem Zusatz «Ricambi» Ausschau gehalten und auch Autoabbrüche besucht, wo man oft noch die gesuchten Ersatzteile fand. Von solchen Reisen wurden ganze Motoren, Getriebe, Karosserieteile und vieles mehr im Topolino heimgebracht.


Wie viel einfacher ist es doch heute: ein Telefon an den richtigen Ort und zwei Tage später ist das Ersatzteil im Hause. Den Einbau dieses Teiles besorgt eine fachkundige Person, wenn man es nicht selber machen will. Damit haben auch Personen Zugang zu dem schönen Hobby erhalten, die mit der Technik nicht so vertraut sind.

Vieles gäbe es aus den ersten 50 Jahren unseres Clubs noch zu erzählen. Fröhliche Geschichten und schöne Erlebnisse, an die man sich gerne zurück erinnert. Eines ist aber sicher noch erwähnenswert: Vier Personen, die schon an der Gründungsversammlung im September 1970 anwesend waren, sind heute noch Mitglied im Topolino Club Zürich.

Koni Häusler, Gründungsmitglied

50-Jahr Jubiläumskleber des Topolino Club Zürich

Die goldene Festschrift 2010-2020 zum 50-Jahr Jubiläums des Topolino Club Zürich können Sie sich hier anschauen: 

Die goldene Festschrift 2000-2010 zum 40-Jahr Jubiläums des Topolino Club Zürich können Sie sich hier anschauen: